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Aufreger: Ich soll eine Seniorin sein?!

2019-09-25T15:07:49+02:00

Das Kategorisieren unserer Gesellschaft nach Alter findet Autorin Angi Brinkmann, 52, furchtbar. Wer will sich auch schon abstempeln lassen!

Letztens am schönen Rhein: Mein Onkel, 79, lädt zur Familientour und kauft die Karten für das Schiff. Das Alter unserer flotten Drei-Generationen-Gruppe pendelt zwischen 4 und 79 Jahren. Die Dame schaut prüfend durch das Bullauge ihres Schalters: „Also, das macht dann zwei Kinder, zwei Jugendliche, sechs Erwachsene und drei Senioren …“ WAAAS? Mit „Senioren“ meint sie den Gastgeber (okay, er ist 79), meinen Mann und mich – wir zwei deutlich unter 60 und jung, blutjung, wenn Sie mich fragen. Die gesparten zwei Euro lege ich liebend gern drauf, aber Seniorin mag ich mich nicht nennen lassen!

Als ich da so vor der Kasse stehe, habe ich ein Déjà-vu aus meiner Kindheit. Wenn meine Mutter mit mir und meinen drei Brüdern ins Schwimmbad ging, hat sie die Altersangaben an der Kasse immer konsequent nach der Preisliste ausgerichtet. Getreu den Staffelungen bis sechs und zwölf war mein großer Bruder elf (anstatt 14!), die Zwillinge „knapp sechs“ (neun hätte es getroffen!) und „die Kleine vier“ (ich bin zwei Jahre älter als meine kleinen Brüder!). Und während meine Mutter smart lächelnd log, hielt sie mir – unter dem Sichtfeld der Kassiererin – den Mund zu. Damals blieb mir die Luft weg, heute halte ich meine Klappe nicht mehr!

Wieso kategorisiert sich eine Gesellschaft nach Alter?

Das mag hinsichtlich der gesetzlichen Volljährigkeit Sinn machen und später beim Senioren-Tennis, aber sonst nicht! Einerseits feiern wir uns allerorts als „Golden Ager“, „Menschen in der Lebensmitte“ oder „Best Ager“, anderseits klassifizieren wir uns getreu der Senioren-Definition freiwillig als Ältere, Rentner oder Ruheständler. Dabei hat sich, seit meine Oma sich samstags die Dauerwelle auf Wickler gedreht hat, gewaltig was getan…

Unsere Generation ist fit, denkt modern, reist um die Welt und packt kräftig mit an. Wir fühlen uns noch längst nicht wie das, was wir unter Ruheständlern verstehen. Keine von uns sitzt mit 60, 70 im Ohrensessel – es sei denn, wir haben ein Glas Prosecco und ein gutes Buch in der Hand. Wir brauchen ein Umdenken. Senioren tragen Beige und kaufen Heizdecken – zu uns passt das nicht mehr, wir sind einfach WIR! Würden wir uns nicht diese Stempel aufdrücken, könnte sich auch in den Köpfen etwas bewegen – das Miteinander in unserer Gesellschaft würde sicher schöner, respektvoller werden. Lasst uns doch Ü18 einfach nur erwachsen sein…

 

3 Comments

  1. Himmlisch
    Himmlisch 5. Oktober 2019 um 12:27 Uhr

    Hallo liebe Schwestern,
    wie jeder mich sieht oder über Alter denkt, ist seine eigene Ansicht !
    Das sollte mir ” Eigendlich ” schnuppe sein !
    Was mich aber richtig auf die Palme bringt sind Veranstalter speziell
    Reiseveranstalter die mit 50 + Reisen werben und wenn man sich anmelden
    möchte, ist bei 60/65 Jahren Schluß!!!!!!! Bei Nachfrage ist es ungeheuerlich welcher
    Komentar hiezu kommt.
    Also ich weiß was ich mir zumuten kann oder nicht!!!!!!!!!!
    Meine Meinug sind heute sehr viele 70 + die früheren 50 + Jährigen in allem !!!!!!
    ( Besonders viele Frauen)
    himmlische Grüße Renate

  2. Emmylein
    Emmylein 28. September 2019 um 13:21 Uhr

    Was bedeutet heutzutage alt? Ich denke, das Thema ist gegessen. Die Leute arbeiten länger und sind fit, sie tun was dafür. Sport, gesunde Ernährung. Jeder muß für sich selbst entscheiden, ob man sich alt fühlt. Es gibt Tage, da denke ich, so muß sich alt sein anfühlen. Ja aber weiß ich es wirklich?

  3. Leni
    Leni 28. September 2019 um 12:41 Uhr

    Du sprichst mir absolut aus dem Herzen.
    Es werden Überlegungen angestellt, Leute bis 70 Jahre arbeiten zu lassen,
    dafür sind sie jung genug und fit. Auf der anderen Seite werden sie mit
    “Senioren” betitelt – lachhaft und dreist.

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